Chat mit Fremden: welche Dienste es gibt und was sie von dir verlangen
Wer Ersatz für einen bestimmten Videochat sucht, landet meist beim nächsten Namen statt bei einer Antwort. Diese Seite trägt die Dienste einzeln zusammen und sagt bei jedem, was er ist. Zwei Dinge entscheiden mehr als jede Funktionsliste: ob du ein Konto brauchst und ob eine App nötig ist. Veilr steht darum nicht im Verzeichnis, sondern darunter.
Zwei Fragen, bevor du irgendwo klickst
Gastzugang oder Konto? Ohne Anmeldung kommst du am schnellsten zum ersten fremden Gegenüber. Ein Konto ist ein Schritt mehr und ändert dafür, was eine Sperre überhaupt wert ist.
Browser oder App? Im Browser bist du mit einem Klick drin und wieder weg. Eine App unterliegt Regeln, die nicht der Anbieter macht: Was der Store deines Systems nicht führt, landet nicht auf deinem Gerät.
Das Verzeichnis
Den gibt es nicht mehr
- Omegle — der Dienst, der das Format erfunden hat: vierzehn Jahre Zufallschat, ein Klick, kein Konto. Am 8. November 2023 hat sein Gründer ihn abgeschaltet; die Adresse gehört inzwischen einer anderen Firma.
Sofort drin, ohne Konto
- Ome TV — portugiesisches Videoroulette, bei dem ein Wisch den nächsten Menschen bringt: seit 2015 in Betrieb, über 100 Millionen Downloads im Play Store; einen Geschlechterfilter lehnt das eigene FAQ ausdrücklich ab („we don't offer gender-specific filters“), und übersetzt wird dort getippter Text, nicht das Gesprochene.
- Flingster — Videochat für Erwachsene im Browser, ohne eigene App: Geschlecht angeben, Kamera erlauben, drin. Auch im kostenlosen Tarif gibt es AR-Masken, mit denen sich Video zeigen lässt, ohne das Gesicht zu zeigen; die erweiterten Masken und die Wahl nach Geschlecht stecken im VIP-Abo, das laut vier unabhängigen Testberichten 19,99 US-Dollar im Monat kostet und sich von allein verlängert.
- Nekto.me — russischsprachiges Roulette für Sprache und Text, seit 2011 unter derselben Adresse: zwei Klicks ohne Konto, und der Filter nach Geschlecht und Alter kostet dort nichts.
- Emerald Chat — Browser-Chat mit Text, Video und Gruppenräumen, in den man auch ohne Google-Konto über ein Captcha kommt; wen man trifft, steuert ein Karma aus gegenseitigen Bewertungen, und Karma lässt sich dazukaufen.
- Vidizzy — kostenloses Videoroulette im Browser, bei dem sich Geschlecht, Altersspanne und ein Häkchen für Leute mit Gesicht im Bild vor dem Start einstellen lassen; Geld verdient es mit Werbung und Weiterleitungen auf Partnerseiten, und wer es betreibt, nennt die Seite nicht.
- Camloo — Videochat im Browser, den man als Gast mit einem Häkchen bei „18+“ beginnt; fast alles darüber hinaus kostet die Währung CAML, und beim Geschlechterfilter wächst laut Camloo die Trefferchance mit dem Guthaben.
- Shagle — Videochat für Erwachsene, bei dem Start und ein Häkchen genügen; die Länderwahl ist gratis, der Geschlechterfilter gehört zum Premium, dessen Preis erst beim Kauf erscheint.
- Y99 — kostenlose Chaträume aus dem indischen Netz, in die ein Nickname reicht, mit Zeichenfläche und gemeinsamem Videoschauen; die Android-App ist aus Google Play verschwunden.
- Chatib — Textchat-Räume nach Thema und Land, einer davon für Deutschland; wem man privat schreibt, wählt man aus der Liste, und das Alter kann Chatib nach eigener Aussage nicht überprüfen.
- Chitchat — junger Zufallschat, in dem Text ohne Konto läuft und nur Video eine Anmeldung braucht; der Betreiber veröffentlicht Moderationszahlen, der Filter nach Geschlecht kostet ein Abo oder Münzen.
Hier führt der Weg über ein Konto
- Azar — mobiler Videochat mit Wisch-Matching und Untertiteln des Gesprochenen, seit 2021 in der Match Group. Bezahlt wird mit Gems, die beim Weiterwischen verbraucht werden; wen du triffst, lässt sich nach Geschlecht und Region einstellen — laut den eigenen Store-Beschreibungen aber erst in einer Bezahlstufe.
- LuckyCrush — Browser-Videochat mit garantiert gegengeschlechtlicher Vermittlung: Frauen chatten gratis, Männer kaufen Credits, ein Credit entspricht etwa einer Gesprächsminute. Die Startseite wirbt mit „No signup needed“; die eigenen Bedingungen verlangen für alles außerhalb der Probezeit ein Konto.
- Thundr — junger Zufallschat aus Wyoming, dessen Preise in Münzen ausgezeichnet sind: 500 Münzen kosten 4,99 US-Dollar, eine halbe Stunde Vorrang in der Warteschlange 1.000 Münzen. Im Shop stehen daneben „filters“ unter dem, was Münzen freischalten — welche, sagt der Shop nicht. Beim Konto widerspricht der Anbieter sich selbst: „zero sign-up“ im Meta-Text der Startseite, „Create an Account“ als Schritt 1 auf der eigenen Seite zum Zufallsvideochat.
- Monkey — Videochat, bei dem ein Gespräch nach 15 Sekunden nur weitergeht, wenn beide verlängern; Geschlechterfilter und Nachrichten an bereits hinzugefügte Freunde stecken im Abo Monkey Plus, dessen automatische Verlängerung voreingestellt ist.
- LivU — Videochat der Hongkonger Firma Clash Arts, bei dem laut eigener Beschreibung jedes Gespräch unscharf beginnt; mehr Kontrolle darüber, wen man trifft, kostet Münzen, und im App Store ist die App nicht zu finden.
- Minichat — Videoroulette mit Anmeldung über ein soziales Netzwerk, dessen Startseite „No paid features“ verspricht, während im Web-Client ein VIP-Pass und eine bezahlte Entsperrung stehen.
- Yalla — Voice-Rooms aus den Emiraten statt eines Gesprächs zu zweit: Viele reden, nebenher läuft Ludo oder Baloot, Status im Raum kauft man mit Gold, und Yalla gibt es nur als App.
- Bigo Live — kein Zufallschat, sondern Live-Streaming für ein Publikum: Zuschauer kaufen Diamanten für Geschenke, die sich der Streamer auszahlen lassen kann.
- imo — kein Zufallschat, sondern ein Messenger für die eigenen Kontakte, angemeldet per Telefonnummer mit SMS-Code; gehalten wird er vor allem, weil Anrufe auch in schwachen 2G- und 3G-Netzen stabil bleiben.
- Moco — seit 2005 eine Chat-Community aus Boston mit Räumen, Spielen und Livestreams, angemeldet mit Nickname und Passwort; man kehrt zu denselben Leuten zurück, einen Zufallsmatch gibt es nicht.
- Yubo — französische App zum Wischen durch Profile und für Gruppen-Livestreams, nur ab 18 und mit Alterseinschätzung per Selfie-Video; wer sehen will, wer ihn mag, zahlt für ein Paket, im US-App-Store ab 13,99 US-Dollar pro Woche.
- AntiLand — tausende Clubs für Textchats, in denen Karma über Bilder und Rang entscheidet; die Startseite verspricht, es gehe ohne Telefonnummer, das eigene FAQ beschreibt die Anmeldung mit einer.
Das Verzeichnis wächst Eintrag für Eintrag, sobald die jeweilige Seite steht.
Veilr, an denselben zwei Fragen gemessen
Ein Konto ist Pflicht: ein Login, das du ohnehin hast, kein Passwort, keine Gäste — womit du dich anmelden kannst, zeigt der Anmeldebildschirm. Danach füllst du einmal ein kurzes Profil aus. Veilr selbst läuft im Browser ohne Installation, auch auf dem iPhone; für Android gibt es zusätzlich eine App.
Wer sein Geschlecht im Profil angibt, kann sich das Geschlecht des Gegenübers kostenlos wünschen. Veilr versucht das zuerst, wenn jemand Passendes online ist, und verbindet dich sonst mit jemand anderem, statt dich warten zu lassen. Die Wahl der anderen Seite wird immer respektiert. Wer sich als nichtbinär eingetragen hat, wird von denen gefunden, die „Alle“ gewählt haben. Alter und Land bleiben Wünsche, die Suche weitet sich. Mit Boost wird aus allen drei Wünschen ein harter Filter, und du kommst zuerst dran. Habt ihr verschiedene Sprachen angegeben, können die Live-Untertitel im Gespräch von selbst starten — fünf Freiminuten bringt jedes neue Konto mit. Getipptes kann in der Sprache des anderen ankommen, der mit einem Tipp das Original sieht; der Vorrat an Übersetzungen gehört zum Konto, Boost hebt das Limit auf. Bezahlt wird für genau zwei Dinge: Boost für den Platz vorn in der Warteschlange und zusätzliche Untertitelminuten.
Ab 18: Liegt das hinterlegte Alter darunter, vermittelt der Server das Konto nicht. Dem Fremden, mit dem dich die Vermittlung zusammenbringt, zeigen wir weder Namen noch E-Mail-Adresse noch Stadt. Wen du blockierst, dem wirst du nicht mehr zugeteilt — und umgekehrt.
Die drei Modi
- Videochat — Bild und Ton; der Modus wechselt während des Gesprächs nicht.
- Sprachchat — nur die Stimme, die Kamera bleibt aus.
- Textchat — getippt, und Tippen geht auch in den beiden anderen Modi.
Alle genannten Marken- und Dienstnamen gehören ihren jeweiligen Inhabern. Veilr ist mit ihnen weder verbunden noch von ihnen unterstützt oder autorisiert.